Agri-PV Anlage
in Haidegg

Leuchtturmprojekt Agri-PV Anlage in Haidegg

In Kärnten wird Geschichte geschrieben, mit dem Spatenstich des ersten Windparks in Kärnten.

Spatenstich

Unter dem Motto „do kumt de Sun..“ fand am 02.03.2022 der Spatenstich der Agri-PV Anlage in Haidegg, in der Steiermark statt.  

ORF Kärnten berichtet am 15.07.2021 über den historischen Spatenstich

Agri-Photovoltaik Anlagen als Schutzmaßnahme für die Obstproduktion mit doppeltem Nutzen

Vom Klimawandel sind vor allem Kulturen mit langer Nutzungsdauer betroffen, da weder unverzügliche noch kurzfristige Anpassungen in den Bereichen Forstwirtschaft, sowie Obst- und Weinbau möglich sind. Die Festlegung auf Arten im Allgemeinen, sowie Unterlagen und Sorten im speziellen geschieht in diesen Wirtschaftszweigen für Zeiträume zwischen 25 und 100 Jahren.

Gerade in den Sonderkulturen Obst- und Weinbau gab es in den letzten Jahren in der Steiermark eine Häufung von massiven Schäden durch Spätfröste, Starkregen und Hagelunwetter. Auf Grund dieser Tatsachen ist es notwendig geworden, diese Kulturen mit technischen Schutzmaßnahmen auszurüsten. Dies geschieht in der Regel durch die Installation von Hagelschutznetzen und das Implementieren von Frostabwehrmaßnahmen wie Frostheizungen oder Frostberegnungsanlagen.

Eine innovative Lösung sind über solchen Spezialkulturen angebrachte Photovoltaik Anlagen, die eine doppelte Schutzfunktion haben. Einerseits den Schutz gegen Starkregen und Hagel durch die physikalische Barriere, andererseits einen Schutz vor leichten Frösten durch den Carport-Effekt (unter einem Carport bleiben Autos in Frostnächten eisfrei). Die Frage der Auswirkungen der Installation von teilweise lichtdurchlässigen PV-Paneelen („Zebramodule“) auf den Ertrag und die Fruchtqualität in Dauerkulturen unter solchen Installationen ist in den nächsten Jahren noch abzuklären.

Im Rahmen der österreichischen Klima- und Energiestrategie hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 ausreichend Strom zu erzeugen, um den nationalen Stromverbrauch zu 100% bilanziell aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Ein wesentlicher Teil davon soll durch Photovoltaikanlagen erzeugt werden. Dieses Ziel, nämlich die Steigerung des PV-Stromanteils steht bei der Beanspruchung von Agrar-Freiflächen allerdings in Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion. Mit Agri-Photovoltaik Anlagen (kurz Agri-PV Anlage) soll es durch eine gezielte Doppelnutzung möglich werden, diese Nutzungskonkurrenz einzuschränken. Der Bereich der Spezialkulturen (insbesondere der Obstbau) stellt ein mögliches Potential zur Doppelnutzung durch speziell installierte Agri-PV Anlagen dar. Besonders in Hinsicht auf den doppelten Nutzen sollen anhand praktischer Versuchsreihen mit der Agri-PV Anlage am landeseigenen Standort Haidegg nähere Erkenntnisse über die Effizienz solcher Anlagen im Obstbau gewonnen werden.

Ziel des Projektes ist die Optimierung der Doppelnutzung eines Standortes mit Obstkulturen für die landwirtschaftliche Produktion einerseits und die Stromerzeugung andererseits. Die Entwicklung und Erforschung dieser speziellen PV-Konstruktionen soll vor allem durch die Kooperation zwischen der Versuchsstation Obst- und Weinbau Haidegg und der Firma ECOwind Handels-& Wartungs-GmbH vorangetrieben werden.

Technische Daten der geplanten PV-Anlage

Beschreibung der Versuchsanordnung

In den beiden Versuchsquartieren werden die Auswirkungen der Überdachung mit PV-Paneelen und die damit veränderten Lichtverhältnisse auf das Pflanzenwachstum, die Pflanzengesundheit, den Schädlingsbefall, den Ertrag und die innere und äußere Qualität der Früchte erhoben. Die Versuche werden mit folgenden Obstarten angelegt: Apfel, Birne, Kirsche, Marille, Mirabelle, Pfirsich, Sauerkirsche und Zwetschke.

Von unserem Projektpartner ECOwind wird die elektrische Leistungsfähigkeit der Anlage geprüft. Die wesentliche Frage dabei ist, zu welchem Prozentsatz die potentielle Kühlung der „Zebramodule“ – durch die Transpiration der darunter stehenden Pflanzen – während Hitzeperioden das konstruktionsbedingte Leistungsdefizit dieser Neuentwicklung gegenüber den Standardpaneelen der vorhandenen Auf-Dach-Anlage am gleichen Standort kompensieren kann.

Die verwendeten Paneele sind eine Spezialanfertigung für unsere geplanten Versuchsserien. Die „Zebramodule“ der Erstinstallation lassen nämlich 50 Prozent des einfallenden Lichtes durch und sind miteinander durch Abdeckungen verbunden. Diese Abdeckungen zwischen den Paneelen sind für einen vollständigen Regenschutz notwendig, der chemische Pflanzenschutzbehandlungen gegen wichtige Pilzkrankheiten im Obstbau – wie zum Beispiel Schorf, Marssonina oder Blütenmonilia – einsparen könnte. Dadurch wären Agri-PV Anlagen auch eine wesentliche Unterstützung in der biologischen Produktion von Obst.

In einer zweiten Versuchsstaffel wird dann die Möglichkeit geprüft, die Produktion der verschiedenen Obstarten mit individuell angepasster Lichtdurchlässigkeit der PV-Module weiter zu verbessern. Diese Optimierungen sind der wesentliche Teil der zukünftigen Versuchsanordnung in den beiden Versuchsfeldern. In der Folge wird im Rahmen einer angewandten Forschung das „Feintuning“ dieser Innovation bearbeitet.

Scroll to Top